Second Life – auf der Spitze des Hypes?

Sebastian am 25. Februar 2007

Man muss sich nicht unbedingt Instrumenten wie dem Gartner Hype Cycle bedienen, um jedes aktuelle Phänomen zu erklären. Bei internetbezogenen Themen hat sich jedoch gerade dieses Modell bislang meistens als sehr genau herausgestellt, wenn es um die Bewertung und Vorhersage langfristiger Trends im Online-Sektor ging. Warum also nicht mal kurzen einen Blick darauf werfen, um vielleicht ungefähr zu erfahren wo Second Life gerade steht, und was nach dem Überhype passieren könnte?

Was genau ist ein Hype Cycle?

(Die folgende Passage ist frei übersetzt aus der offiziellen englischen Definition von Gartner, Inc.)

Ein Hype Cycle ist die grafische Darstellung der Reife, der Annahme (durch den Menschen) sowie der geschäftlichen Anwendung einer bestimmten Technologie. Seit 1995 benutzt Gartner Hype Cycles, um die Überbewertung bzw. den Hype sowie die darauffolgende Enttäuschung bei der Einführung neuer Technologien zu charaktierisieren. Hype Cycles zeigen darüberhinaus auch, wie und wann Technologien über die Phase des Hypes hinausschreiten, praktischen Nutzen bieten und allgemeine Akzeptanz erreichen.

Die 5 Phasen des Hype Cycles

  1. “Technology Trigger”
    Die erste Phase repräsentiert einen technischen Durchbruch, die Einführung eines neuen Produkts oder ein ähnliches Ereignis, welches signifikantes (Medien-)Interesse generiert. Die Aufmerksamkeitskurve steigt nun stetig an.
  2. “Spitze der überhöhten Erwartungen”
    Während dieser kurzen Phase generiert ein regelrechter Publicity-Rausch übertriebene Begeisterung und unrealistische Erwartungen. Es gibt zwar einige erfolgreiche Anwendungen der Technologie, aber typischerweise mehr Misserfolge.
  3. “Tief der Ernüchterung”
    Technologien fallen ins “Tief der Ernüchterung”, weil sie die übertriebenen Erwartungen nicht einhalten können und unmodisch werden. Normalerweise wendet sich die Presse nun von Thema und Technologie ab.
  4. “Hügel der Erleuchtung”
    Obwohl die Medien das Thema fallengelassen haben, experimentieren einige Unternehmen weiter und erklimmen langsam den “Hügel der Erleuchtung”, um den wirklichen Nutzen der Technologie zu erkennen und praktische Anwendungen zu entwickeln.
  5. “Plateau der Produktivität”
    Schließlich erreicht die Technologie das “Plateau der Produktivität”, da der Nutzen nun allgemein erkannt und angenommen wird. Die Technologie wird immer stabiler und entwickelt sich zur zweiten und dritten Generation. Die finale Höhe des Plateaus variiert, je nachdem ob die Technologie einen Nischen- oder Massenmarkt bedient.

Grafisch sieht das Ganze dann so aus:

Hype Cycle

Wo steht Second Life gerade?

Nun, das ist natürlich eine streitbare Frage, genauso wie die Frage ob der typische Hype Cycle auf Second Life überhaupt anwendbar ist. Ich behaupte ja, er ist, und wir befinden uns knapp nach Phase 2 auf dem Weg zum “Tief der Ernüchterung”.

Wieso? Weil mittlerweile die Mehrheit der renommierten Presse von Zeit bis Welt und Spiegel bis Focus, genauso wie der Großteil der Fernsehsendungen mit informativem Charakter (darunter sogar die Tagesthemen) über Second Life berichtet haben. Darunter oft Titelseiten und -stories, teilweise auch viele Seiten lang. Vor einer Woche hat mir dann sogar meine Mutter von einem für sie interessanten 3-seitigen Artikel über Second Life in ihrer Sonntagszeitung (ja, leider die WaS) erzählt – ein todsicheres Anzeichen für die absolute Spitze des Hypes.

Nun, da also alle bekannten Medien über das Thema berichtet haben, kann es nicht mehr aufwärts gehen. Im Gegenteil, wir wissen ja schon länger, dass sowieso nur jeder Zehnte, der Second Life auf einen Medienbericht hin vielleicht ausprobiert, überhaupt auf Anhieb einigermaßen mit der Bedienung klarkommt und ein noch viel kleinerer Anteil regelmäßig wiederkehrt um die Plattform zu nutzen. Und im Moment gibt es, genau wie der Hype Cycle es beschreibt, auch sowieso nicht allzu viele nützliche Dinge zu tun im Metaversum. Die meisten Anwendungen werden gerade mal ausprobiert, Firmen stellen kommentarlos leere Superinseln ohne Mehrwert oder interessante Inhalte ein. Natürlich gibt es auch Ausnahmen, aber sind wir mal ehrlich, das Meiste ist über den Punkt des ersten allgemeinen Interesses hinaus verdammt langweilig und bringt null Nutzen.

Nun könnte man fragen, “wieso schreibt der Kippe denn so abwertend über SL, wenn er doch sogar selbst ein Blog darüber führt?”. Doch die Antwort ist einfach: das ist gar nicht abwertend, nur realistisch. Und ich bin auch kein Hardcore-Secondlifer, der jeden Tag mehrere Stunden in der virtuellen Welt verbringt, sondern ich bin Web-Entwickler und beschäftige mich in diesem Blog mit einem Thema, das eben vielleicht irgendwann mal das “Plateau der Produktivität” erreicht, und nur deshalb so außerordentlich interessant ist. Ich sehe die Technologie im Moment noch als Zukunftsmusik, die noch eine gehörige Entwicklung durchmachen muss, bevor sie eine Art 3D-Ersatz für das herkömmliche Internet werden kann. Doch das Zeug dazu ist auf jeden Fall vorhanden, und wenn die Unternehmen (und damit meine ich nicht nur Real-Life Unternehmen, sondern vor allem auch virtuelle Startups) in den nächsten Monaten und Jahren noch weiter experimentieren, das Grid irgendwann unabhängig von Linden Lab wird, und die Clients wirklich bedienbar werden und wichtige neue Features wie Voice-Integration mitbringen, dann hat Second Life eine wirklich große Zukunft vor sich. Glaube ich.

Und Ihr?

Wie sehr Ihr das denn? Ist die Spitze schon erreicht? Schon lange vorbei? Bewegen wir uns vielleicht sogar schon auf dem Pfad der Erleuchtung? Über eine lebendige Diskussion würde ich mich wirklich freuen!

Die PAGE berichtet über den AvaStar

Erik am 5. Februar 2007
PAGE 3/2007

PAGE-Cover

In der März-Ausgabe des deutschen Medien-, Design- und Printmagazins PAGE findet sich ein mehrseitiger Bericht - nein vielmehr nimmt der AvaStar (wir berichteten), das virtuelle “Second Life”-Magazin aus dem Hause Springer, eine groß aufgemachte Titelstory ein.

Der Artikel beschränkt sich aber nicht nur auf den AvaStar, sondern fasst auch ein paar weitere Versuche der Printmedien zusammen, die zeigen dass einige bereits den Aufsprung auf den längst fahrenden Web 2.0-Zug geschafft haben, andere es probieren oder aber zumindest planen. Lesenswert - aber vor allem aufgrund der Tatsache, dass sich ein “Second Life”-Thema auf dem Titelblatt breit macht, eine Erwähnung wert.
(PAGE ist erhältlich in fast jedem Kiosk und Zeitschriftenladen)

Antworten auf die häufigsten Fragen zu Second Life

Sebastian am 3. Februar 2007

Seit kurzem beantwortet Markus Breuer, Metaversen-Blogger der ersten Stunde und stets eine der kompetentesten Anlaufstellen zum Thema, in seinem Weblog die wohl am häufigsten auftauchenden Fragen zu Second Life, von welchen auch ich regelmäßig die ein oder andere gestellt bekomme. Ab heute verweise ich einfach nur noch auf die Second Life FAQs von Markus, die ich in diesem Beitrag auch jeweils aktuell verlinken werde, weil das mit der Übersicht dort leider noch nicht ganz so professionell gelöst ist, wie die Texte verfasst sind (Vorsicht Zaunpfahl, Markus).

Second Life FAQs

  1. “Dazu haben Sie Zeit?”
  2. “Sind da wirklich schon 3 Millionen Menschen unterwegs?”
  3. “In Second Life dreht sich doch alles um Geld, oder?”
  4. “Wie kann man nur virtuelle Dinge mit ECHTEM Geld bezahlen?”
  5. “Ist Second Life nicht voller Sex und Pornographie?”

(Und wer einen Newsreader verwendet und sich für Second Life interessiert, der sollte sowieso schleunigst den Feed abonnieren, wenn der noch nicht darin auftaucht.)

Nächster Webmontag am 5. Februar

Sebastian am 1. Februar 2007

Am nächsten Montag findet endlich wieder ein Web Montag (was ist das?) in Second Life statt. Ort des Geschehens ist nach wie vor das Corecon Convention Center, welches mittlerweile jedoch auf neuem Grund und Boden, nämlich in einer der Pixelpark-Sims steht.

Dieses Mal wurde anscheinend auch für das Audioproblem eine anständige Lösung gefunden, sodass dem ungestörten Live-Lauschen der geplanten Vorträge nun nichts mehr im Weg stehen dürfte. Davon stehen übrigens laut Wiki erst zwei wirklich fest – wer also am Wochenende noch Zeit und Lust hat, der könnte durchaus noch einen kleinen Beitrag zu einem passenden Thema für den Web Montag vorbereiten.

Alle weiteren Infos und unverbindliche Anmeldung wie immer im Wiki.

Second Life: Get One

Sebastian am 1. Februar 2007

Gerade habe ich ein nettes SL-Werbevideo auf YouTube gefunden, das hauptsächlich den Unterhaltungswert von Second Life unterstreicht…

P.S.: Sorry für die lange Pause hier und ein herzliches Willkommen an die zahlreichen neuen Feed-Abonnenten! Demnächst geht es hier wieder täglich zur Sache, versprochen.

Giving progress a (second) Life…

Erik am 18. Januar 2007

oder: mein LightPress-Vortrag - Anlauf Nummer zwei.

Nagut, dann trau ich mich nochmal. Mit weniger Lampenfieber und Notfalls mit einem vorgefertigtem Podcast. Sozusagen mit einem Retortenvortrag aus der .mp3-Konserve ;) Das nur für den Fall, dass erneut alle Stricke reissen sollten. Kann doch eigentlich nichts mehr schief gehen können, oder? :-D Ich will ja nicht den Teufel an die Wand malen… also hoffe ich einfach auf den akustisch-technischen Glücksmoment beim Second Life Webmontag.

Mein Vortragsthema lautet: WordPress tieferlegen mit LightPress. Informationen in Form einer kleinen Einführung zum Thema und Linksammlung finden Interessierte schoneinmal hier. Meine Präsentationsunterlagen gibt es nach wie vor hier zum Download.

Der AvaStar ist da

Sebastian am 21. Dezember 2006

Die neue englischsprachige Springer-Zeitung für und in Second Life, der AvaStar, ist heute in seiner ersten Ausgabe erschienen. Die erste Edition des AvaStar kann man kostenlos auf der offiziellen Website sowie an verschiedenen Orten in Second Life selbst herunterladen. Nach der einmonatigen Einführungsphase wird der AvaStar dann nur noch käuflich zu erwerben sein, per Abo oder Einzelkauf. Eine Ausgabe soll 150L$ (umgerechnet ca. 0,42€) kosten.

Parallelen zur BILD-Zeitung, mit welcher der AvaStar nicht zuletzt wegen BILD’s Berichterstattung schon im Vorfeld in Verbindung gebracht wurde, sind in der Tat zu erkennen. Riesige Überschriften, viele Bilder, und Aktionen wie “Second Life Witness”, bei der die Leser aufgerufen sind eigene Fotos einzusenden, erinnern stark an das Original. So handelt die erste Titelstory zum Beispiel auch gleich von einem Stimmenmanipulations-Skandal bei Big Brother. Trotzdem bietet der AvaStar auf den zweiten Blick eine durchaus gelungene Mischung aus allgemeinen Second Life- und Businessnachrichten, Reiseführer, Eventempfehlungen und dem üblichen Celebrity/Style/Gossip-Kram, wenn auch jeweils mit sehr kurzen Artikeln, die schon aus Platzgründen nicht wirklich tief auf die jeweiligen Themen eingehen können.

Das ist aber offensichtlich auch gar nicht das Ziel der Publikation. Es geht vielmehr um leichtverträgliche und vor allem für alle Leser (darunter sicherlich viele SL-Neulinge) verständliche Nachrichtenhäppchen, die einem einen kompakten Eindruck von möglichst vielen verschiedenen Aspekten der 3D-Welt verschaffen sollen. Und genau das macht der AvaStar eigentlich hervorragend. Für alles andere gibt es sowieso Blogs und Onlinemagazine, die sich ausführlich mit jeglichen Themenbereichen beschäftigen.

Update: Beim Pixelsebi von Pixelpark gibt es nun eine ausführliche Zusammenfassung aus Sicht der verantwortlichen Agentur. Vielen Dank dafür!

Wiener Studenten nutzen Hörsaal in Second Life

Sebastian am 17. Dezember 2006

Aus einem Pressetext des EC3 - E-Commerce Competence Center in Wien…

StudentInnen der Wirtschaftsinformatik mit Schwerpunkt E-Commerce können dieses Semester erstmals an ausgewählten Lehrveranstaltungen via Second Life teilnehmen. In Kooperation mit dem EC3 - E-Commerce Competence Center versuchen sie, Aufgabenstellungen im Bereich des eTourismus in Second Life zu realisieren.

> Direkter Link zum Pressetext

Dazu gibt es bei Youtube folgenden Fernsehbeitrag:

Die Second Life-Vorstellung mit den üblichen Hype-Übertreibungen darf man natürlich getrost überhören. ;)

5 Gründe, warum Second Life auch ein Spiel ist

Sebastian am 16. Dezember 2006

Auch wenn Second Life eigentlich kein richtiges Spiel sondern eher eine 3D-Internet-Plattform ist, so hat es doch einige Merkmale mit MMORPGs gemein. Zum Beispiel:

  1. Die meisten Einwohner suchen hauptsächlich Unterhaltung.
  2. Die Avatare tragen Phantasienamen und spiegeln auch vom Aussehen her meistens kaum die reale Person des Nutzers wider.
  3. Die Erkundung der Welt geschieht auf sehr spielerische Art und Weise. Beispiel: Fliegen.
  4. Tiere, Vampire, Engel und Schlümpfe als Spielfiguren, Märchenschlösser, Burgen und schwebende Plattformen als Wohngebäude.
  5. Server und Clientsoftware werden zentral von einer Firma bereitsgestellt und verwaltet – kein echtes 3D-Internet sondern ein proprietäres 3D-Extranet.

Second Life ist also zumindest auch eine Art Rollenspiel. Oder nicht?

5 Gründe, warum Second Life kein Spiel ist

Sebastian am 14. Dezember 2006

Eine kleine Liste der Anzeichen dafür, dass Second Life an sich kein Spiel ist:

  1. Es gibt kein vorgegebenes Ziel, das man erreichen könnte.
  2. Es gibt keine Levels, Stufen, Erfahrungspunkte oder ähnliches.
  3. Es gibt kein Setting und keine Story.
  4. Es gibt keine NPCs (Computerspielfiguren).
  5. Man kann nicht sterben bzw. verlieren.

Falls Euch noch mehr Punkte dazu einfallen, einfach in den Kommentaren fortführen. Danke!

(Und morgen gibts dann 5 Gründe, warum Second Life doch irgendwie ein Spiel ist.)